Ein einmaliger Konzert-Abend bringt Hochkultur und HipHop zusammen

Und der Rap so: Darf ich bitten?

Text: Tanja Kuzmenko, Foto: Danny Jungslund

Ob sich das Schauspielhaus nun zum nächsten heißen Konzert-Spot mausert? Bei der Veranstaltung „Toleranz und Tollerei“ machen nämlich der neueste Star im Rap-Geschäft – Majan aus Schorndorf –, der längst etablierte Stuttgarter Hip­Hop-Produzent und Rapper Dexter sowie BRKN aus Berlin gemeinsame Sache.

Die erste Party dieser Art am Schauspielhaus beweist wohl auch, dass Deutsch-Rap nun auch in Kultureinrichtungen, die zuvor dem Ballett und Schauspiel vorbehalten waren, salonfähig ist. „Das wurde auch Zeit“, findet Martin Labacher von der Agentur 0711 Entertainment, die den Abend in Kooperation mit dem Stuttgarter Schauspiel veranstaltet.

Labacher erinnert an die Anfänge des Konzertsommer-Festivals am Mercedes-Benz-Museum, das unter anderem von 0711 gestaltet wird. Hier treten seit inzwischen vier Jahren auch HipHop-Größen als stolze Headliner auf. „Das war anfangs ein kleiner Clash, den die Leute aber gut verkraftet haben“, erinnert er sich. „Damals war das noch eine ungewohnte Umgebung für Subkultur.“ Heute seien Konzerne wie Kulturinstitutionen von Personen besetzt, die mit HipHop aufgewachsen und dem Genre gegenüber aufgeschlossen sind. Anders als die Generation vor ihnen, glaubt Labacher. „Rap war das Schmuddelkind der Kulturwelt, heute ist das zum Glück anders.“

Der Projektmanager bedauert, dass viele gute Musiker aus Stuttgart wegziehen, gleichzeitig haben Stuttgarter Clubs ihre Probleme. „Daher ist es wichtig neue, spannende Formate auszuprobieren, die die Kulturlandschaft interessant halten und den Künstlern neue Möglichkeiten bieten.“ Ein Event zweier Partner, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, erzeugt Aufmerksamkeit – und lockt neue Zielgruppen. „Das tut auch dem Publikum gut.“

Beide Seiten nutzen ihre Strahlkraft für einen guten Zweck: „Wir möchten mit dem Abend die Message von Toleranz vermitteln.“ Und zwar ohne In-your-Face-Charakter, sondern subtiler, erklärt der Tübinger. „Auch wenn es keine ‚F*ck Nazis’-Parolen zu hören geben wird, die Musiker stehen für etwas“, ist er überzeugt. Dabei gilt, was beim HipHop immer gilt: „Man muss zwischen den Zeilen lesen.“ Unterstützt werden die Live-Acts vom Stuttgarter DJ Diversion.

Einmalig: Die Künstler bitten das Publikum auf die Bühne – gemeinsam feiert es sich eben besser. Zum Auftakt wird im Foyer eingeheizt, wo es auch eine After-Show-Party geben wird. Auch das Schauspiel-Ensemble hat sich eine Beteiligung nicht nehmen lassen – und das wird nicht die einzige Überraschung des Abends sein.

Toleranz & Tollerei [22.2. 22 Uhr, Schauspielhaus, Oberer Schlossgarten 6, S-Mitte, ab 18 Jahre]

 

Diesen Artikel findest Du auch im LIFT 02/20

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