RAUPE IMMERSATT

Foto: Ronny Schönebaum

Das erste Stuttgarter Foodsharing Café öffnet seine Tore am Hölderlinplatz

An Durchhaltevermögen fehlt es Lisandro Behrens, Simon Kostelecky, Maike Lambarth, Maximilian Kraft und Jana Pfeiffer (v.l.o.n.r.u.) jedenfalls nicht. Seit 2016 ist das Team schon auf der Suche nach einer geeigneten Lokalität für ihr Projekt: ein gemeinnütziges Foodsharing Café in Stuttgart. Auch die Startnext-Kampagne, bei der sie 26.000 Euro für die Verwirklichung ihrer Idee gesammelt hatten ist schon anderthalb Jahre her.

Mehr als 30 Besichtigungen und unzählige Verhandlungsgespräche später hat es jetzt am Hölderlinplatz im ehemaligen Café Heilignüchtern geklappt. „Wir sind super happy, dass die Suche ein Ende hat.“ Maximilian Kraft steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Zweimal waren wir schon drauf und dran eine Location fix zu haben, zweimal hat es dann spontan doch nicht geklappt.“ Der Stuttgarter Immobilienmarkt – ein Trauerspiel.

Dass sie während der ganzen Suche auch ans Aufgeben gedacht haben, verheimlichen die fünf nicht: „Man nimmt alles mit nach Hause, drei von uns wohnen auch noch gemeinsam in einer WG, da dreht sich dann schnell jedes Gespräch um das selbe Problem.“ Die Ehrung durch die Stuttgarter Bürgerstiftung, von der sie Anfang des Jahres den Publikumspreis verliehen bekommen haben, blies ihnen aber wieder frischen Wind in die Segel.

Wäre auch schade drum gewesen, denn das Konzept hat es in sich: Am 6. Juni öffnen sich die Tore des neu gestalteten Raupe Immersatt Cafés, das ohne feste Getränkepreise und mit einem Foodsharing-Verteiler im Inneren an den Start geht. „Wir wollen niemanden ausschließen“, sagt Kraft. „Wenn jemand die drei Euro für ein Bier nicht hat, soll er eben so viel zahlen, wie er  kann.“

Dass das kein Minusgeschäft ist, haben die Macher schon auf zahlreichen Events, bei denen sie für Speis und Trank gesorgt haben, gemerkt. „Manche bezahlen mehr, manche weniger, aber im Schnitt kommt man auf den marktüblichen Preis.“ Dass man gezwungen ist, der Sache selbst einen monetären Wert zuzuordnen, überforderte zu Beginn zwar viele, regte aber auch an, sich Gedanken über die persönliche Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln zu machen, findet Kraft.

Zu den Kaffeespezialitäten, alkoholischen und unalkoholischen Getränken aus der Region kann man sich dann einen kostenlosen Snack aus dem Verteiler nehmen, der mit nicht mehr verkäuflichen oder überschüssigen Lebensmitteln und Backwaren von mehr als 80 Lebensmittelbetrieben aus der Umgebung gefüllt wird. Die werden vorab natürlich auf ihre Genießbarkeit geprüft und sind gesundheitlich völlig unbedenklich. Ein oder zwei Tage altes Brot isst man zu Hause ja auch noch.

Auf diese Weise werden Lebensmittel, die sonst im Müll gelandet wären, gerettet und erfreuen noch den einen oder anderen hungrigen Magen. „Die Leute sollen darauf aufmerksam gemacht werden, wie verschwenderisch mit Essen umgegangen wird“, erklärt Kraft. „Aber ohne erhobenen Zeigefinger“, ergänzt er. Dass die Raupe Immersatt nicht als missionarisches Öko-Café wahrgenommen wird, ist den Machern wichtig. „Natürlich werden wir ein paar Info-Materialien zu Food-

sharing und Nachhaltigkeit auslegen, ansonsten soll die Raupe Immersatt aber einfach ein schöner Platz zum Abhängen und Verweilen sein.“

Im schicken Industrial-Look gestaltet und mit gemütlichem, bunt zusammengewürfelten Mobiliar ausgestattet, dürfte das kein Problem sein. Auch das Veranstaltungsprogramm liegt  den Machern besonders am Herzen. Vom gemeinsamen Kochen mit geretteten Lebensmitteln („Schnippeldiscos“) über Konzerte bis hin zu Vorträgen mit Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung reichen die Events mit Soulfood-Potenzial. Gut Ding will manchmal halt einfach Weile haben.       

Petra Xayaphoum

 

RAUPE IMMERSATT [Johannesstr. 97, S-West, tägl. 7-22 Uhr, www.raupeimmersatt.de, Opening: 6.6. 17 Uhr]

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