LIFT-Aktuell im Juni 2016

An dieser Stelle gibt es jeden Monat eine kleine Leseprobe zum Durchblättern sowie einen kompletten Artikel aus unserer aktuellen Print-Ausgabe.

LESEPROBE

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Foto: Ronny Schönebaum

DEUTSCHLANDS BEKANNTESTER FUSSBALL-YOUTUBER KOMMT AUS DER REGION

CHAMPIONS LEAGUE IN ALTENRIEt

Der Macher von Deutschlands mit Abstand erfolgreichstem Fußball-Kanal auf YouTube kommt nicht etwa aus München, Dortmund oder Leverkusen. Nein, er kommt ausgerechnet aus der Region Stuttgart, wo es zumindest im Profi-Fußball im Moment ja alles andere als rund läuft. 

„Traurig finde ich es schon, was seit einiger Zeit mit dem VfB los ist. So ein Traditionsverein, der muss normalerweise immer ganz oben mitspielen“, meint Konstantin Hert mit ernster Miene. Sein Herz schlägt aber heimlich für Borussia Dortmund. 

„Ich habe aber ehrlich gesagt auch schon lange kein Bundesligaspiel mehr gesehen, ich komme einfach nicht mehr dazu, Youtube frisst zu viel Zeit.“ Selbst sein Sky-Abo hat Hert gekündigt – bringt nichts, wenn man sowieso keine Zeit zum Schauen hat. Guten Fußball sieht er auch so jeden Tag. 

Konstantin Hert selbst kommt aus Altenriet im Schönbuch. Ein Dorf mit nicht einmal 2.000 Einwohnern, dessen Sportverein so klein ist, dass man sich häufiger schon mit dem benachbarten Klub aus Schlaitdorf zusammengetan hat, um genug Spieler für eine Fußballmannschaft zu haben. Über solche Problemchen kann der 28-Jährige nur schmunzeln. Sein Youtube-Kanal „Freekickerz“ hat mehr als vier Millionen Abonnenten, seine beliebtesten Videos wurden rund 30 Millionen Mal aufgerufen. Damit hat er doppelt so viele Abonnenten wie der FC Barcelona, mehr als viermal so viele Fans wie der Kanal von Adidas – selbst die Sportschau haben nur knapp 45.000 Zuschauer abonniert. 

„Die Idee kam mir beim Studium in Hohenheim, das ich vor knapp fünf Jahren abgeschlossen habe. Da haben wir viel über Social Media gelernt. Ich habe mit zwei Kumpels den Kanal aufgemacht, ohne zu ahnen, wie groß das mal wird“, erzählt er. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, wie sie sich der Wirtschaftswissenschaften-Studiengang der Uni nur wünschen kann. 

Mitbekommen hat das dort aber kaum jemand: „Wir waren meistens über 400 Leute in der Vorlesung, die Profs kannten uns nicht und für den Erfolg der Freekickerz hat sich auch keiner interessiert.“ Im täglichen Leben sieht das für den YouTuber schon anders aus. So wird er mittlerweile von seinen Fans erkannt, die dann Autogramme und Fotos haben wollen: „Besonders heftig ist es auf dem Fußballplatz. Wir drehen unsere Videos meistens in Leinfelden, da warten oft schon die ganz treuen Fans.“ 

Wenn Hert von Videos spricht, dann meint er seine durchschnittlich fünfminütigen Clips, bei denen er mit seinen Kumpels spektakuläre Freistöße nachspielt. Dafür kommen fünf bis sechs Kameras zum Einsatz, täglich wird bis zu zehn Stunden geschnitten, auch am Wochenende. Über seine Einnahmen darf Konstantin nicht sprechen, das steht so im Vertrag mit Youtube. 

Aber es scheint gut zu laufen: „Ich kann wirklich sehr gut davon leben und habe sogar schon Angestellte. Man lernt auch viele interessante Leute kennen“, sagt er. Mittlerweile lassen sich immer mehr Stars blicken, mit denen die Jungs dann Techniken analysieren, gemeinsam trainieren oder sich einfach nur battlen. 

Gegen sein Idol Lewandowski hat Hert beim Elfmeterschießen ohne Mühe gewonnen, mit Nationalspieler Gündoğan hat er gefachsimpelt, mit Manchester United gemeinsam trainiert und Bayern-Star Thomas Müller war auch schon am Start. „Die meisten Kontakte kommen über Sponsoren zustande. Die wollen, dass wir ihre Produkte benutzen und dafür vermitteln sie uns ihre Stars“, verrät der Youtuber. Sogar mit Superstar Lionel Messi steht er in Kontakt. „Fast hätte es schon mit einer Challenge geklappt, aber dann hat er doch in letzter Sekunde abgesagt. Es heißt, er hat nicht so viel Bock, sich bei so einem Battle zu blamieren. Aber wir bleiben auf jeden Fall dran.“ Zur EM haben sich die Freekickerz auch schon Gedanken gemacht. Was genau geplant ist, wird aber nicht verraten. Die Truppe wurde von einem Sponsor nach Frankreich eingeladen, mit richtig guten Eintrittskarten, doch daraus wird nichts: „Ich bleibe in Altenried und muss schneiden.“ Das war 2014 in Rio auch schon so: „Ich hätte mit der Nationalmannschaft feiern dürfen, aber die Arbeit am Schnittrechner ist halt wichtiger.“ 

Alexander Franke 

 

[www.youtube.com/c/freekickerz]

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