LIFT-Aktuell im Februar

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THE BIG PISSNESS

SCHWÄBISCHER TÜFTLER MACHT SYNTHETISCHEN URIN UND SCHWEISS ZU GELD

Aus Scheiße Geld machen? Schön wär’s. Eine Wette einzugehen, dass man es schafft, aus Scheiße Geld zu machen? Gewagt. Maj Puskaric hat’s getan und ist diesem Ziel verdammt nah gekommen: Der 39-jährige Schwabe verwandelt zwar keine Fäkalien in Bares, stellt aber synthetisches Pipi her und verdient sich damit zunehmend eine goldene Nase.

Ein Blick auf die Webseite und in den Online shop seines Nussdorfer Unternehmens Cleanu irritiert und fasziniert gleichermaßen: Da offerieren einem Damen in 50er-Jahre-Outfits oder ein Pimp mit Reagenzglas und Gehstock sowie „Captain Mittelstrahl” – eine Kunstfigur in gelb-rotem Superhelden-Outfit – künstlich hergestellten Urin.

Ebenfalls im Sortiment: Fake-Penisse, Spezialunterwäsche mit Geheimfächern und eingebauten Pipi-Beuteln, Urin-Drogen-Tests, LSD-Brillen. Für paranoide Zeitgenossen gibt’s die abhör- und ortungssichere Handytasche „Stalin“ und viele weitere Kuriositäten. 

Wie man auf sowas kommt? Puskaric lacht auf. „Denken wie ein Kind, handeln wie ein Erwachsener“, nennt er sein Erfolgsrezept. Der gelernte Einzelhandelskaufmann, Elektriker und Bildhauer hat mit synthetischen Stoffen und chemischen Verbindungen von Haus aus so gar nichts zu tun. „Ich hab’ mir das autodidaktisch angeeignet“, sagt er.

Sein Erfindergeist und eine Wette mit seinem Steuerberater hätten ihn vor gut sechs Jahren zur Geschäftsidee beflügelt. Damals gab es künstlichen Urin noch nicht und Chemiker erzählten ihm, dass es auch nicht möglich sei, das gelbe Gold ohne Weiteres synthetisch herzustellen.

Fehleinschätzung: Nur wenige Monate später hatte Cleanu die entsprechende Rezeptur. Doch wer um Gottes Willen braucht synthetisches Pipi in Morgenurin-Qualität? Ein erster Gedanke gepaart mit der Anmutung der Webseite: Der Tüftler will Kiffern, Pillenschluckern und Pulvernasen helfen, die regelmäßig Urinproben abgeben müssen.

Zumal es Produkte wie den „Screeny-Weeny“ gibt – ein Silikonpenis zum Umschnallen samt Urinbeutel, der es per „Push-and-Piss“-Funktion ermöglicht, bei einer Polizeikontrolle sauberen Urin abzugeben. Oder auch Mittelchen, mit denen Drogis testen können sollen, wie rein ihr Weed und Kokain ist.

„Was die Leute letztendlich mit unseren Produkten machen, liegt nicht in meiner Verantwortung“, so Puskaric. Klar seien auch Headshops unter seinen Kunden. In erster Linie verkaufe man den Urin aber an die Industrie – für wissenschaftliche Zwecke: „Wir sind branchenübergreifend tätig und verkaufen weltweit“, erzählt er.

Zum Beispiel an die Textilindustrie, die damit versucht, das optimale Fleckenmittel zu finden. Oder an die Autoindustrie, die ihre Lacke auf Beständigkeit testet. Bei der Jagd nutzt man Urine aus dem Hause Cleanu, um Tiere anzulocken. Ebenfalls in Puskarics Sortiment: synthetischer Schweiß. „Der wird von Auto- oder Uhrenherstellern genutzt, um Leder schweißresistent zu machen“, erklärt er.

Klingt wie ein Witz? Ist es offenbar nicht, wie ein Blick auf die Webseite seiner zweiten Firma Synthetic Urine zeigt: Da geht es absolut seriös zu, es gibt normierte, künstlich hergestellte menschliche und tierische Körperflüssigkeiten zum Einkaufspreis.

In Sachen synthetischer Urin ist man nach eigenen Angaben Marktführer und das Geschäft brummt. In seinem Playboy-Mansion-ähnlichen Firmenanwesen mit Hängematten, Schwimmteich und Chill-Out-Area beschäftigt er 16 Mitarbeiter – vor allem Frauen. Im dortigen Labor und der Werkstatt werden alle Cleanu-Produkte hergestellt. Made in China? Fehlanzeige.

„Bei uns geht es locker zu“, sagt Puskaric. Die Firmenphilosophie à la Google sei fürs Betriebsklima wunderbar, das Feedback der Kunden hervorragend. An welchen irren Erfindungen er momentan tüftelt, will er nicht verraten. Wie wärs mit einer Maschine, die tatsächlich Scheiße in Gold verwandelt? 

[www.cleanu.de, www.syntheticurine.de]

Anke Bauer

 

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