LIFT-AKTUELL

LIFT-Leseprobe im APRIL 2019

An dieser Stelle gibt es jeden Monat eine Leseprobe zum Download sowie einen Artikel aus unserer aktuellen LIFT-Ausgabe.

Zehn typische Kellner, die jeder kennt

Mit diesen Service-Kräften ist nicht gut Kirschen essen

1. Der Supermotivierte

Kein Weg ist ihm zu weit, keine Kleinigkeit zu klein – der Supermotivierte macht alles möglich. Salz, Pfeffer, extra Soße, noch mal nachschenken vielleicht? Dumm ist nur, wenn man gerade rundum zufrieden ist. Das kommt ihm nämlich richtig spanisch vor. Niemand ist rundum zufrieden, davon ist er überzeugt und fragt sicherheitshalber lieber doppelt nach, ob auch wiiiirklich alles in Ordnung ist. Oder dreifach. Tipp: niemals in seine Richtung blicken. Keine Sekunde später spürt man seinen Atem schon im Nacken.

2. Der Ahnungslose

Gut, man muss die Zutaten-Liste jedes einzelnen Gerichts auf der Karte nicht auf Abruf runterbeten können. Was es auf der Tageskarte gibt, wäre dann aber doch spannend zu wissen. Da muss er noch mal nachschauen? Am besten auch gleich mitfragen, was die Weinempfehlung dazu ist, ob man mit Karte zahlen kann und wo genau die Toilette sein soll. Der Typ hat nämlich keinen Blassen. Und wenn man nicht den ganzen Abend bezüglich jeder Frage Stöckchen mit ihm spielen will, ist man gut beraten, gleich alles auf einmal zu erfragen.

3. Der Witzbold

„Wie lautet der Vorname von Reh? Kartoffelpü!“ Der Schwiegervater ist mal wieder zu richtigen Kalauern aufgelegt – der einzige, der lacht, ist der Kellner. Laut und herzlich, bis ihm die Tränen laufen. Das Schönste: Er hat selbst noch ein paar richtig gute Witzle am Start – vom „Oh, für mich!“ beim Jacken abnehmen bis zum „Huch, ist das die Falsche?!“ beim Reichen der Kinderkarte. Dass die Jokes seit 1996 immer dieselben sind, juckt ihn keineswegs. Einer lacht ja immer: Schwiegervaddi.

4. Der Genervte

Das ist Null-Bock-Attitüde next Level: Egal, ob man die Karte nochmal haben möchte, seine Jacke aufhängen oder einfach nur etwas bestellen, dieser Kellner hat für jeden Gästekontakt einen Gesichtsausdruck, der einem unverhohlen vermittelt, wie sehr man ihm auf den Geist geht. Seine Universalantwort auf alles: „Wenn’s sein muss...“ Resting-Bitch-Face-Queen Elizabeth II. könnte von diesem Profi noch was lernen.

5. Der Flirter

Leute, haltet eure Partner fest: Der Flirter wickelt sie schneller um den Finger als ihr Spaghetti um die Gabel. Völlig gleich, ob Männlein oder Weiblein, diese Servicekraft hat Reize und sie weiß sie einzusetzen. Es wird gezwinkert, geschäkert und gekichert, bis selbst Kai Pflaume das Kotzen kriegt. Sollte man mal selbst das Objekt der Begierde sein und zufälligerweise Single, remember: „You’re not the only one...“

6. Der Ignorierer

Du kommst herein, du setzt dich, du wartest. Du suchst Augenkontakt, du hebst die Hand, du winkst – nichts. Der Ignorierer läuft in aller Seelenruhe an den Tischreihen vorbei und blickt gekonnt über alles hinweg. Lass dir eins gesagt sein: Widerstehe der Versuchung, dir die Karte selbst vom Nachbartisch zu besorgen, sondern geh lieber. Geh schnell. Denn was auch immer du hier willst: Du wirst es nicht bekommen. Nicht von ihm und nicht in der nächsten halben Stunde.

7. Der Obercoole

Wenn du nicht die richtigen Klamotten anhast, wenn dein Haar nicht richtig sitzt, wenn du nicht jung genug bist oder wenn du dich heute bei der Wahl deines Shirts ausnahmsweise mal nicht von Bella Hadid inspirieren ließt, bist du bei ihm unten durch. Bevor er dir deine Bestellung bringt (er würde nicht, wenn er die Wahl hätte), mustert er dich herablassend von oben bis unten, fassungslos, wie man nur „so last Season“ sein kann. Was er leider nicht gecheckt hat: Höflichkeit ist nie last Season.

8. Der Verächtliche

Nicht jeder, der gern gut isst, hat eine umfassende Bildung in Sachen Essen und Trinken vorzuweisen. Manche essen auch einfach nur gern gut. Fertig. Der Verächtliche hat dafür null Verständnis. Wenn man fragt, was dieses Chateaubriand mit Sauce Béarnaise oder Tournedo Rossini auf der Karte eigentlich sein sollen, kriegt er das große Augenrollen. Völlig aus der Fassung bringt man ihn aber, indem man sein Steak „gut durch“ bestellt. Und bitte mit einem ganz leichten Weißwein. Ach was, machen Sie doch ‘ne Schorle draus! Süß, bitte!

9. Der Schusslige

Eigentlich wollte man Käsespätzle, na ja, jetzt hat man halt Maultaschen. Das wäre schon okay, wenn man wenigstens mit Messer und Gabel essen dürfte und nicht mit dem Löffel, weil nicht richtig eingedeckt wurde. Und das Wasser hat er ebenfalls vergessen. Was mit dem Wein ist? Der ist erst mal auf dem Sakko des Gegenübers gelandet. Dem Schussligen zuzusehen, erfüllt einen mit Wut und Mitleid zugleich. Konzentriert euch auf das Mitleid.

10. Der Schleimer

Jetzt mal im Ernst: Wir wissen, dass das verdammte Kleid spannt, weil wir den Reißverschluss erst mit einer Zange zumachen muss-ten und uns dann das 350g-Rib-Eye-Steak mit extra Pommes reingepfiffen haben. Der Schleimer aber versucht uns weißzumachen, dass wir gleich vom Fleisch fallen. Und die Frisur! Tolle Haare! Fesch! Wo kann man sich denn so was schneiden lassen? „Bei Ali um die Ecke, 9,90 Euro.“ Ehrlich währt am längsten.

Texte: Petra Xayaphoum, Illustrationen: Jennifer van de Sandt
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