„Das gibt der Sache einen anderen Drive“

Text: Frank Rudkoffsky, Foto: Ronny Schönebaum

Was plant die Satire-Partei im Gemeinderat mit der Fraktionsgemeinschaft Puls?

Mit Ina Schumann ist erstmals eine Stadträtin von Die Partei in den Gemeinderat eingezogen und hat gemeinsam mit den Stadtisten und der Jungen Liste die Fraktionsgemeinschaft Puls gegründet. Will die 33-jährige Lehrerin die Kommunalpolitik bloß satirisch aufmischen oder ernsthaft Politik machen?

LIFT Warum engagierst du dich für die Partei?

SCHUMANN Ich war auch früher schon politisch aktiv, etwa in der Linksjugend. Dort habe ich aber schnell gemerkt, dass das ein Vitamin-B-lastiger, elitärer Haufen ist. Das Geklüngel ist nicht meine Welt. Die Partei rückt genau die Dinge in den Fokus, die mich am Politikbetrieb immer genervt haben. Da wird der Finger in die Wunde gelegt und gnadenlos karikiert, was falsch läuft.

LIFT Wie erklärst du dir den großen Erfolg bei jungen Wählern?

SCHUMANN Viele sind frustriert vom Altherrenclub in den anderen Parteien. Dort arbeitet man auf einer sehr abgehoben, entfernten Ebene und ist nicht mehr an den Themen junger Menschen dran. Eigentlich machen wir’s ja wie die anderen: Wir versprechen alles, was die Leute hören wollen – nur dass wir halt offen dazu stehen. Als Partei-Sprecherin muss ich natürlich hinzufügen: Wir sind auch sehr, sehr gut, da hilft nichts.

LIFT Warum die Fraktionsgemeinschaft Puls mit den Stadtisten und der Jungen Liste?

SCHUMANN Als Einzelstadträtin hat man quasi keine Rede- oder Beisitzrechte. Man ist nur im großen Gremium, der Rest bleibt einem verschlossen. So hat man kaum Möglichkeiten, etwas zu gestalten. Man kann sich natürlich einer Partei anschließen, die Grünen haben ja groß um uns Kleine geworben. Aber auch da ist die Frage: Wie kann ich dann noch wirken?

LIFT Welche Vorteile bringt euch die Fraktion?

SCHUMANN Wir haben ein höheres Budget, mehr Möglichkeiten und auch mehr Öffentlichkeit – das gibt der Sache einen ganz anderen Drive. Ich kann Dinge auch mal heftig kritisieren, indem ich etwas Verqueres vorschlage, was sich die anderen nicht leisten können. Uns ist es wichtig, dass jeder sein Profil wahren kann.

LIFT Was wollt ihr gemeinsam erreichen?

SCHUMANN Wir wollen im Gemeinderat Impulse setzen, ihn interessanter und vor allem transparenter machen. Bisher war das Rathaus ja eine große Blackbox. Ich vertraue meinen Kollegen, dass sie die nötige Realpolitik umsetzen – und sie mir darin, die satirischen Spitzen zu setzen.

LIFT Was muss sich in Stuttgart ändern?

Schumann Wir brauchen Schrittgeschwindigkeit für alles mit Rädern. Die Umstellungsphase wäre hart, aber langfristig wär’s geil. Menschen dürfen ja rennen und wären dann schneller – das hätte auch einen gesundheitlichen Effekt. Mein Hauptthema ist aber das Wohnraumproblem. Der Kessel ist zwar begrenzt, aber man könnte ja einfach ein neues Stuttgart obendrauf setzen. Vielleicht sind wir darin ja besser als bei Tiefbauprojekten.

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