Besen next Generation

Alles neu am Fuss des Rotenbergs: Das weingut Diehl

Kaum hat Thomas Diehl (mi.) Anfang des Jahres begonnen das Weingut aus den elterlichen Händen von Rainer und Marianne Diehl nach und nach zu übernehmen, schon rappelt’s im Karton: neue Weinlinie, neuer Webauftritt, neuer Online-Shop, neues Produktionsgebäude, neuer Besen. Bald hüpft aus dem Karton auch noch ein eigener Gin, sagt er.

Wen wundert’s dass jetzt sogar der in der Region längst ausgestorben geglaubte Wiedehopf wieder gesichtet wurde. Der außergewöhnlich gemusterte Vogel  ziert daher auch die neu designten, stylishen Wein-Etiketten. „Er kam quasi gleichzeitig mit mir wieder in die Heimat zurück“, erklärt Diehl, „da lag’s nahe, ihn als Symbol zu nehmen.“

Mehrere Jahre ist der 27-Jährige beruflich durch die Welt gereist, nun ist er zurück, um sich seines Erbes anzunehmen. Und er hat viel vor. Für die Neuauflage des Besens unter dem Namen Gutsausschank Diehl hat er sich mit zwei nicht Unbekannten der Stuttgarter Gastro-Szene zusammengetan: Sebastian Gaiser (li.) und Markus Hespeler aka Mr. Relish (re.).

Vor wenigen Monaten haben sie gemeinsam noch das Pop-up-Restaurant RelishXGaiser in der Hohenheimer Straße geführt, jetzt machen sie sich an’s neue Projekt, den Gutsausschank Diehl. Im Vergleich zum RelishXGaiser-Konzept, bei dem Wein, Essen und Kunst mit höchster Finesse serviert wurden, klingt das ziemlich bodenständig. „Ist es auch“, sagt Küchenchef Hespeler, der es sich als Mr. Relish zur Aufgabe gemacht hat, Kunst-Events einen kulinarischen Rahmen zu bieten. „Abgehobene Küche wird’s hier nicht geben“, stellt er klar. „Hochwertige  Produkte aus der Region sind das Herz der Karte.“

Auf der sind neben Gegrilltem und Salaten, auch good old Vesperbrettle, belegt mit Tapas-ähnlichen Kleinigkeiten mit dem gewissen Etwas – Stichwort gegrillte Schwarzwurst oder fermentierte Radieschen – und mit korrespondierender Diehl’scher Weinempfehlung zu finden. Wer’s individueller mag: Das Ganze funktioniert auch mit Baukastenprinzip.

„Der berühmte Kartoffelsalat meines Vaters darf auf der Karte natürlich nicht fehlen. Und auch das gute alte Viertele im Henkelglas gibt’s weiterhin.“ Denn alles möchte Thomas Diehl nun auch nicht neu machen. Manche Dinge sind einfach gut so, wie sie sind.

Die Aussicht über die Weinberge runter nach Untertürkheim zum Beispiel und das Prinzip Besen: „Es gibt einen Teil von rund 80 Plätzen, den wir zur Reservierung bereitstellen, beim Rest gilt nach wie vor Selbstbedienung und wer zuerst kommt, malt zuerst“, erklärt Sebastian Gaiser, der organisatroische Kopf des Trios.

„Alle sind willkommen“, ergänzt Thomas Diehl. Dass sich keiner verprellt fühlt im frisch aufgemöbelten „Toskana-Besen“, wie er von der Stammkundschaft aufgrund des mediterranen Flairs genannt wird, ist ihm wichtig.

Damit man auch ausgelassen feiern kann und nicht auf dem Heimweg rücklings in die Reben kullert, richtet das Besen-Team einen Shuttle zum Untertürkheimer Bahnhof ein. Dann kann’s ja losgehen. Am 16. Juli wird feierlich entkorkt.  

Gutsausschank Diehl [Württembergstr. 203, S-Rotenberg, Di-Sa 16-23 Uhr, www.weingut-diehl.com , Eröffnung: 16.7. 16 Uhr]

Texte: Petra Xayaphoum, Fotos: Ronny Schönebaum
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