Der große LIFT-Check zur OB-Wahl

Veronika Kienzle im LIFT-Blitzinterview

Am 8. November ist OB-Wahl in Stuttgart, wir haben die KandidatInnen ins LIFT-Kreuzverhör genommen.

Das waren die Spielregeln: LIFT hat den sieben aussichtsreichsten KandidatInnen Veronika Kienzle, Martin Körner, Frank Nopper, Sebastian Reutter, Hannes Rockenbauch, Ralph Schertlen und Marian Schreier am Telefon dieselben Fragen gestellt – und alle mussten so spontan und knapp wie möglich antworten. Hier war Schlagfertigkeit gefragt. 

 

S21, Europaviertel oder Markus Weinzierl als VfB-Trainer – welche Katastrophe würden Sie in der Vergangenheit verhindern wollen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten?

Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich S21 verhindern. Ich hätte es nämlich anders gemacht: Zwar hätte ich den Bahnhof neu geplant, aber eben nicht unterirdisch und auch nicht quergelegt. Das Kopfbahnhofprinzip hätte ich beibehalten. Gleichzeitig hätte ich dafür gesorgt, dass er ans Europanetz angeschlossen ist, den Deutschlandtakt erfüllt und mehr Kapazität bietet. Es gab es genug alternative Konzepte.

 

Und was würden Sie in der Zukunft verhindern wollen: Die große Veronika-Kienzle-Eurythmie-Arena im ehemaligen Daimler-Werk, die Frank-Nopper-Stadtautobahn oder den VfB-Abstieg in die dritte Liga?

Der VfB steigt doch nicht in die dritte Liga ab! Ich bin gerade erst beigetreten, dem VfB sage ich eine große Zukunft voraus. Das gilt auch fürs Daimler-Werk: Dort werden auch zukünftig viele Menschen arbeiten –­ mit neuen Technologien. Einer Frank-Nopper-Autobahn sage ich dagegen keine Zukunft voraus, da lege ich mein Veto ein.

 

Wofür bezahlen wir zu viel?

Für Dinge, die unserer Gesundheit und unserem Klima nicht gut tun. Das Gemeine daran ist, dass es oft Dinge sind, die Spaß machen.

 

Im Juni 2030 feiert Ihr Vorgänger Fritz Kuhn ein großes Fest zum 75. Geburtstag. Wo wird das am ehesten stattfinden – open Air an der neuen Neckarpromenade, in der wiedereröffneten Villa Berg, im frischgebauten Konzerthaus oder ganz bescheiden im Biergarten an der ewigen S21-Baustelle?

Wir alle können nur hoffen, dass es nicht im S21-Biergarten stattfindet. Persönlich würde Fritz Kuhn wünschen, dass das Fest in der Villa Berg ist: Da hat er sich sehr engagiert, und ich als Bürgermeisterin würde ihn gerne in der Villa Berg beglückwünschen.

 

Wie erklären Sie Ihren Kindern, dass eines den teuren Lego-Bausatz „Oper“ bekommt und das andere bloß eine neue Schachtel Buntstifte?

Dass wir kreativ genug sein müssen, um aus allem etwas machen zu können. Auch mit einer Schachtel Buntstifte kann man ein wunderschönes Bild malen, das in die Geschichte eingeht.

 

Was geht Ihnen schon lange auf den Zeiger?

Dass die Frage der fehlenden Infrastruktur für Radfahrer in Stuttgart immer noch so konfrontativ geführt wird.

 

Wenn Sie Ihren Job tauschen müssten: Lieber Buchhändler, Clubbesitzer oder Veranstaltungstechniker?

Das Nachtleben hab‘ ich früher lang intensiv genossen, daher würde ich Veranstaltungstechnikerin werden wollen. Da gibt es einiges zu tun, um die Branche in Zeiten von Corona zu unterstützen. Und vielleicht können Veranstaltungstechnikerinnen mit ihrem Wissen auch wiederum den Clubbesitzern und Buchhändlern helfen und sie vernetzen. Allen drei Branchen geht es zurzeit sehr schlecht und wir müssen tun, was wir tun können, um diesen drei Hauptbetroffenen helfen zu können.

 

Können Sie uns fünf Stuttgarterinnen in Führungspositionen nennen?

Muhterem Aras als Landtagspräsidentin, Irene Armbruster von der Breuninger Stiftung, Brigitte Dethier vom Kinder- und Jugendtheater Jes, Alexandra Sußmann als Bürgermeisterin für Soziales, und dann hätte ich gerne noch jemanden aus der Wirtschaft, aber da wird es auch schon schnell eng... dann nenne ich noch die Personalratsvorsitzende der Stadt Stuttgart, Claudia Häußler. 

 

Würden Sie Ihr Geld als Zukunftsinvestition eher in einen Parkplatz im Stuttgarter Westen, in einen Acker auf den Fildern oder in eine Tesla-Aktie stecken?

Ganz bestimmt würde ich den Acker auf den Fildern kaufen, ihn vor Bebauung schützen und dann nachhaltig bewirtschaften lassen.

 

Würden Sie auch OB werden wollen, wenn Sie dafür zwar nicht mehr Geld verdienen, ihnen dafür aber ganz Stuttgart abends am Fenster applaudiert?

Ja klar, was gibt es Schöneres als das! Ich mache das nicht fürs Geld.

 

Sie leben mit allen OB-Kandidaten zusammen in einer WG. Wer macht den Abwasch und warum sollte es Frank Nopper sein?

Bis ich das durchdacht habe, habe ich den Abwasch schneller selbst gemacht... In jedem Fall würden wir wie in jeder guten WG den Abwasch reihum machen, jeder kommt mal dran. Und wenn man verpennt, dann kann man mit seinen Mitbewohnern aushandeln, wie man das wieder ausbügelt.

 

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: Auf meinem Schild auf der Fridays-for-Future-Demo steht:

Klimaschutz heute, jetzt und hier!

 

Wenn wir hier nicht über die OB-, sondern die US-Wahl sprächen: Welchen der anderen KandidatInnen würden Sie zu Ihrem Vize küren und warum?

Da sollten sich Gegensätze anziehen, das wäre mir wichtig. Insofern wäre ich dafür, dass Martin Körner mein Vize wäre. Da gibt’s viel Diskussionsbedarf.

 

Wie finden auch die Leute, die Sie bei der Wohnungssuche in Stuttgart ausgestochen haben bzw. ausstechen werden, eine ordentliche und bezahlbare Bude?

Ganz einfach: Indem ich als Oberbürgermeisterin alles daran setzen werde, dass es mehr bezahlbare Wohnungen in der Stadt gibt – und nicht irgendwo draußen. Das ist das dringendste Thema auf unserer Agenda, nicht nur für aktuelle Stuttgarter, sondern für alle, die wir künftig in Stuttgart leben und arbeiten sehen möchten. Ich werde alles daran setzen, den Wohnraum zu mehren.

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