Fantasy Filmfest

Text: Isabel Mayer, Foto: Indeed Film

Horrorfilme müssen wie Achterbahnfahren sein

Ins Kino gehen? Klar. Horrorfilm? Nein danke. Kein Genre spaltet die Geschmäcker so sehr wie der Horror. Denn wenn auf der großen Leinwand das Blut spritzt, Dämonen erscheinen oder aus den Lautsprechern Schreie der ProtagonistInnen schallen, geht die Herzfrequenz vieler ZuschauerInnen nach oben.

Die Spannung, die für viele unangenehm ist, liebt Artur Brzozowski. Er ist Mitorganisator des Fantasy Filmfest, das Mitte September in Stuttgart Halt macht und acht Tage lang Horror, aber auch Sci-Fi, Krimi, Psycho und Action zeigt. „Wir haben ein starkes Programm und viele ungewöhnliche Filme dabei, die sonst nicht im Kino laufen“, sagt ­Brzozowski.

Das Programm hat er mit weiteren KuratorInnen aus einer Vielzahl an Einsendungen ausgewählt. Doch was macht einen guten Horrorstreifen aus? „Man ist direkt in der Story drin“, erklärt der Kurator. „Würde uns jemand heimlich beim Sichten aufnehmen, würde man viele sogenannte Jump-Scares sehen. Wir springen plötzlich auf und schreien. Ich verstecke mich auch ab und zu hinter meiner Jacke“, gibt er zu.

Trotzdem faszinieren Brzozowski die Genrefilme seit vielen Jahren und damit ist er nicht allein. Das Publikum des Fantasy Filmfests ist mittlerweile viel diverser geworden. Früher saßen deutlich mehr Männer in den Reihen, stellt der Kurator fest. Heute wird der Anteil an Frauen immer größer. Brzozowski führt das auf beliebte Serien wie zum Beispiel Stranger Things zurück, die zunächst harmlos beginnen und ein breites Publikum bedienen. „In späteren Staffeln sind dann immer mehr Horror-Elemente eingeflossen. So haben sich die Menschen langsam daran gewöhnt und die Berührungs­ängs­­te sind weniger geworden“, erklärt er.

Statt der blanken Angst steht inzwischen bei vielen Filmen die Unterhaltung im Mittelpunkt und das ist gut so, findet Brzozowski. „Es gibt natürlich auch Filme die ständig mit denselben Mitteln arbeiten oder immer wieder neue Grenzen überschreiten und noch krasser sein wollen.“ Das negative Erschrecken hat auf dem Festival aber nichts zu suchen. Stattdessen soll der Besuch im Kino ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt sein: Die ZuschauerInnen sind aufgeregt, erschrecken sich und lachen dann gemeinsam darüber. „Eigentlich sitzt man ja nur mit FreundInnen im Kino – also ein absoluter ­Safe Spa­ce­ – und trotzdem erlebt man tausend Gefühle auf einmal“, sagt Brzozowski.

Für alle, die sanft ins Genre einsteigen wollen, läuft auf dem Festival ein kuratiertes Kurzfilm-Programm, aber auch die französische Killer-Komödie „Employee of the Month“. Regisseurin Véronique Jadin hat ­quasi die feminis­tische Version von Stromberg geschaffen – mit einer messerscharfen Kampfansage gegen toxische Männlichkeit am Arbeitsplatz.

Richtig düster wird’s dagegen in „Megalomaniac“ (Bild): Die Kinder eines Serienkillers treten auf brutale Art und Weise in die Fußstapfen ihres Vaters. „Beim Sichten mussten wir alle drei ordentlich schlucken“, sagt ­Brzozowski.

Eines seiner Highlights ist „La Piet“, der Debütfilm des spanischen Regisseurs Eduardo Casanova. „Seine Filme haben eine bestimmte Optik – alle bedienen sich farblich fast nur an Pink und Türkis.“ Für schwache Nerven ist die Geschichte trotzdem nicht geeignet: Es geht um die abartige Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Gänsehaut vorprogrammiert.

Fantasy Filmfest [14.-21.9., EM, Bolzstr. 4, S-Mitte, www.fantasyfilmfest.com/tickets-stuttgart]

 

 

Dieser Artikel ist aus LIFT 09/22

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