SepulTour Theaterperformance

Text: Viviane Mewes, Foto: PostTheater

Sterben für Anfänger: Ein Stück über Bestattungsarten

Ein Theaterstück über Bestattungsarten in einer Kirche – makaber oder überfällig? Eins ist klar: Für jeden kommt der Punkt, an dem er oder sie sich fragen sollte: „Wie will ich bestattet werden?“. Das in Stuttgart, Berlin und Dresden ansässige Post Theater hilft bei der Planung.

Aber von vorn: Als Japanerin wunderte sich Hiroko Tanahashi vom Post Theater über Beerdigungsrituale in Deutschland. Gemeinsam mit Theaterkollege Max Schumacher stellt sie fest, „dass in einer Welt voller Migration nicht nur unterschiedliche Traditionen der Bestattung aufeinanderprallen, sondern neue Wege der Verabschiedung entdeckt werden können“.

Solche, auf den ersten Blick schwierige Stoffe, sind für das Post Theater nichts Neues. „Wir rücken Themen in den öffentlichen Fokus, die oft verdrängt werden“, erzählen die beiden künstlerischen LeiterInnen. „Klar wird oft gestorben, und die Auseinandersetzung mit Tod ist klassisches Theatermaterial – aber nie die Bestattungsfragen."

Doch nicht nur die Sichtbarkeit des Themas ist ihnen wichtig, auch persönlich lag es Tanahashi am Herzen. „Ich wollte meine eigene Angst vor dem Sterben bekämpfen“, sagt sie. „Statt dem Thema auszuweichen, möchte ich es in Gänze angehen, inklusive der Rituale, mit denen sich die Hinterbliebenen beschäftigen müssen. Als Einzelkind mit Eltern in Japan mache ich mir zunehmend Gedanken darüber.”

In Deutschland hat man bei der Art der Bestattung nicht viele Wahlmöglichkeiten: Friedhof oder Friedwald, Sarg oder Urne. Wie man sich aber verabschieden will, ob mit großem Fest oder intimer Trauerfeier, darf man frei bestimmen.

In der multi-medialen Peformance „SepulTour“, vom lateinischen sepultura für Bestattung, werden Rituale und  Gestaltungsmöglichkeiten durch Gesang, Schauspiel, Musik und Videokunst präsentiert, wie auf einem Basar für Beerdigungsarten. „Wir hoffen, dass das Publikum neue Ideen mit nach Hause nimmt – über das Sterben und über die Möglichkeiten der Trauerrituale”, sagt Tanahashi. Schumacher hofft, dass das Stück dazu ermutigt „sich ohne Angst und voller Begeisterung auf seine letzte Reise vorzubereiten.”

Für unterschiedliche Blickwinkel sorgen in der Performance die Stimmen von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, die in Videos von unterschiedlichen Ritualen erzählen: aus dem antiken Griechenland etwa oder aus dem heutigen Mexiko. „Wir waren bei der Recherche selbst überrascht, was es alles für originelle, besondere Möglichkeiten gibt, sich von einer geliebten Person zu verabschieden“, erzählt Schuhmacher. „Das ist schon oft sehr fantasievoll und inspirierend."

Dabei wird klar: Nicht immer muss der Umgang mit dem Thema traurig und düster sein. Geht man entspannt und vielleicht auch humorvoll an die Frage ran, wie man abtreten will, kann das auch Ängste nehmen. „Dass das Sterben traurig ist, ist klar“, sind sich die MacherInnen bewusst, „aber viele menschliche Reaktionen auf einen Todesfall sind – nun ja – schräg. Vielleicht ist uns das Stück doch leichter und unterhaltsamer gelungen als wir ursprünglich gedacht hätten.”

Da es trotzdem ein privates Thema ist, wird immer nur eine Anzahl von 12 ZuschauerInnen eingeladen, die vorwiegend isoliert Teil des Stückes sein sollen. Das Publikum muss dabei stehen, sitzen und liegen. Und ja, es geht auch darum, was mit dem Körper nach dem Tod passiert – deshalb ist das Stück erst ab 16 Jahren zugelassen. Tickets gibt’s nur online im Vorverkauf.

SepulTour [Premiere: 18.3., 18, 19+20 Uhr, St. Maria als, Tübinger Str. 36, S-Mitte, www.posttheater.com]

Dieser Artikel ist aus LIFT 03/22

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