Hoe_Mies

Hoe_Mies
Foto: Franz Becker
Partys
Samstag
22.06.2019 15:00 bis 22:00 Uhr
Freund & Kupferstecher
70173 Stuttgart-Mitte
Fritz-Elsas-Str. 60

Einlassstopp bei allen Events, 2018 einen Abend lang eine der Splash-Festival-Bühnen bespielt, Interviews mit der taz, Zeit und Juice – könnte schlechter laufen bei Gizem Adiyaman und Lucia Luciano. Seit 2017 veranstaltet das Duo Hoe_Mies seine explizit an Frauen, Queers und Persons of Color gerichtete gleichnamige HipHop-Partyreihe in Berlin und kann sich vor Aufmerksamkeit gar nicht mehr retten.

Und was kommt nach Berlin? Klar, Stuttgart. Am 22. Juni findet die Hoe_Mies zum ersten Mal im Freund und Kupferstecher statt. „Berlin ist eine Bubble, was die Aufgeschlossenheit angeht“, sagt Gizem. In anderen Teilen Deutschlands ist Diskriminierung auf HipHop-Partys keine Seltenheit. „Allein wenn man sich die Playlisten ansieht, sind da hunderte Männer aber kaum Frauen zu finden“, klären die beiden auf. „Weder als Interpreten, noch als DJs.“

Mit ihrer Party, für die sie vornehmlich weibliche und queere Persons of Color als DJs buchen, wollen sie zum einen dieser Tatsache entgegenwirken, zum anderen liegen ihnen auch Toleranz und Respekt am Herzen: Ihren Verhaltenscodex drucken sie bei jeder Party mehrfach aus und tapezieren die Clubwände damit.

Ein eigenes Awareness-Team sorgt außerdem dafür, dass der Codex auch eingehalten wird. „Wenn man beim Türsteher Beschwerden äußert, werden diese oft abgewiesen oder heruntergespielt“, wissen die beiden aus eigener Erfahrung.

„Wir haben privat oft gemerkt, dass man auf den üblichen Hip-Hop-Partys als Frau, Person of Color oder queere Person oft unangenehmen Blicken und Kommentaren ausgesetzt ist.“

Bei wem jetzt die Männerdiskriminierungs-Alarmglocken klingeln, kann sich wieder beruhigen. „Unsere Party ist ausdrücklich für eine bestimmte Gruppe, dessen sollte man sich bewusst sein und vielleicht nicht als Zehnergruppe Männer ankommen“, klärt Gizem auf, „aber vielleicht bringt man als Mann dann einfach lieber seine Freundin mit. Ausgegrenzt wird bei uns niemand.“

Das Konzept der Hoe_Mies ist neu. Einige Veranstalter aus dem Black-Music-Bereich, die sich explizit gegen Diskriminierung und Übergrifflichkeit aussprechen, gibt es in Stuttgart aber auch: „Bei uns läuft nichts Gewaltverherrlichendes, nichts Diskriminierendes, nichts Sexistisches“, sagt Thomas Hornung, Veranstalter der Roots- und Dub-Party „Rootikal Session“. „Bei uns ist jeder willkommen, egal, welche Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Sexualität er hat.“

Für Grapschereien und übergriffiges Verhalten auf dem Dance-floor hat auch Dancehall-Urgestein Elmar Jäger, der die Dancehall-Party „Levels“ vor Kurzem ins Leben gerufen hat, kein Verständnis: „Wir sind Teil des Red-Card-Projects. Das beinhaltet zum einen, dass vor dem Eintritt kommuniziert wird, dass übergriffiges Verhalten nicht toleriert wird und Personen, die sich nicht daran halten, mit Hausverbot rechnen müssen, zum anderen, dass ein extra Security für die Tanzfläche gebucht ist.“

An einem ähnlichen Party-Konzept wie die Hoe_Mies hat sich Alexander Reisegerst vor zwei Jahren versucht: Er hatte die Stuttgarter schwul-lesbische Hip-Hop-Party „Noname“ ins Leben gerufen. Bis heute gehalten hat die sich allerdings nicht: „Eine Nachfrage gibt es durchaus“, berichtet der Veranstalter. „Aber die Clubs wollten auch nicht so recht mitmachen.“ Die Angst, das Hip-Hop-Stammpublikum vor den Kopf zu stoßen, sei unter anderem ein Grund für das Aus gewesen. Es gibt noch viel zu tun.                                             

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Freund & Kupferstecher
Fritz-Elsas-Str. 60
70173 Stuttgart
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