LIFT hat getestet

The Purple Room

Foto: Ronny Schönebaum
Neu
Szeneläden
Stuttgart-Mitte
Theodor-Heuss-Str. 34
Öffnungszeiten Mi+Do 20-3, Fr+Sa 20-5 Uhr

Bis vor Kurzem waren die Scheiben in der Theodor-Heuss-Straße 34 noch abgeklebt, dicke rosa Cup Cakes prangten auf der Folie. Genau das hat die Theo noch gebraucht. „Es war die billigste Abdeckung, die wir bekommen haben“, erklärt Dino Zippe mit einem Zwinkern – Gastgeber, Bartender, Cocktailprofi und jetzt auch, gemeinsam mit Knud Scheibelt von der Schwarz-Weiß-Bar, Macher des Purple Room. Mit Cup Cakes hat der nichts zu tun, mit Drinks schon eher.

„Wobei es bei uns Käsekuchen im Drink gibt“, gibt Knud Scheibelt zu bedenken, zeigt  dabei auf den Drink „The next Episode“ auf der übersichtlichen Karte hinterm Tresen. Da liest man neben Cheesecake weitere wundersame Zutaten wie Popcorn in der „Blockbuster Lemonade“ oder Marshmallows im „Professor Marshmallow“.

Zu sehen sind sie in den Drinks jedoch nicht: keine Brösel, keine Schaumzuckerbröckchen. Die Cocktails sind klar, der „Cristal Poppin Mojito“ sogar glasklar durchscheinend. Minze und Rohrzucker sucht man in dem Glas vergeblich, allerdings nur auf den ersten Blick: Sobald getrunken, detoniert eine ganze Geschmacksexplosion auf der Zunge.

Das ist den Modifiern (die Basis-Spirituose umspielende, geschmacksgebende Ingredienzen) wie Essenzen und Bitters zu verdanken, die die beiden an den Schließtagen vorbereiten: Durch sie kommt der Käsekuchen ins Glas.

Wie sie das genau anstellen, möchten die Purple-Room-Macher allerdings nicht verraten. Dass ihr Fokus auf High Balls liegt – Cocktails, bei denen eine Basis-Spirituose mit einem kohlensäurehaltigen Filler und weiteren Zutaten aufgefüllt wird – allerdings schon. „Negroni gibt’s hier nicht“, erklärt Zippe.

„Die Barszene in Stuttgart ist mittlerweile auf einem hohen Niveau, es gibt viele tolle Läden“, führt Scheibelt aus, da brauche man als Bar ein Alleinstellungsmerkmal. High Balls eignen sich da bestens: „Die sind ein guter Einstieg für Cocktail-Anfänger.“

Außerdem sind sie innerhalb weniger Sekunden fertig: Kurz ein vorgekühltes, mit Eiswürfeln befülltes Glas aus dem großen Kühlschrank holen, Spirituose rein, Modifier rein, mit Limo oder Sekt aufgießen, fertig.

Die restliche Zeit drehen die Jungs aber keine Däumchen, die brauchen sie, um das zweite Alleinstellungsmerkmal auf den Tisch zu bringen: die Hot Dogs. „Wir wissen wie das ist, wenn man am späten Abend noch was Warmes zu essen sucht“, erklärt Zippe, der vorher unter anderem an der o.T. Bar im Kunstmuseum gewirkt hat. Ab einer gewissen Uhrzeit bleiben nur noch kalte Platten oder nicht ganz so tolles Fast Food.

Bei den Purple-Room-Hot-Dogs kommen die Zutaten frisch von ausgesuchten Bäckern und Metzgern aus der Region und werden vor den Augen der Gäste zubereitet. Vier Varianten (Classic, Italian Stallion, Tex Mex und Schwaben Dog) gibt’s, und zwar bis die Macher morgens um fünf die Türen zusperren.

Bis dahin ist High Balls sippen und Köpfe nicken angesagt. Aus den Lautsprechern schallt nämlich die Musik, die Zippe und Scheibelt selbst am liebsten hören: 90ies HipHop. Nun erklärt sich auch, warum sich die Cocktail-Karte liest wie eine Playlist von Grandmas-ter Flash, warum die Türen mit Scrabbles von Urban-Art-Gallery-Macher Marc C. Woehr vollgezeichnet sind und warum ein Konterfei von Tupac auf der Damentoilette hängt. Aber „Tupac always look good“, das wissen wir ja seit 1995.

Theodor-Heuss-Str. 34
Stuttgart
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