LIFT-Aktuell im JuliLIFT-Aktuell im Juli

An dieser Stelle bekommen Sie jeden Monat eine kleine Leseprobe zum Durchblättern sowie einen kompletten Artikel aus unserer aktuellen Print-Ausgabe. Von der Abhandlung über Stuttgarter Facebook-User über das Abwatschen eines depperten islamfeindlichen Vereins bis zum Politiker-Eintopf-Interview oder der Reportage aus dem Headquarter der Stuttgarter Hells Angels – solche Texte gibt es nur bei uns.

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Der Party-Genickbruch?Der Party-Genickbruch?

Die Verwertungsgesellschaft Gema plant, ab 2013 neue Tarife für das öffentliche Abspielen von Musik einzuführen. Was bedeutet das für die Stuttgarter Clubszene?

„Unser Geld von der Gema hat die Nena und das sehen wir nie“, sprach ein weiser Mann namens Torch und sollte auch zwölf Jahre später noch Recht behalten. Aktuell sogar mehr denn je. Die Gema sorgt zwar dafür, dass kein Musikstück öffentlich wiedergegeben wird, ohne dass die Rechteinhaber dafür Kohle sehen, was ja eine gute Sache ist. Doch seit einiger Zeit zieht sie auch ziemlichen Ärger auf sich.

Ärger von Internet-Usern, die Youtube-Musikvideos nicht mehr anschauen dürfen, Ärger von kleineren Künstlern, bei denen kaum etwas von den Gema-Gebühren ankommt, und Ärger von denen, die sich von der Gema in ihrer Existenz bedroht fühlen. Letzteres betrifft nun auch die Clubbesitzer, denn aufgrund eines neuen Tarifsystems sollen sie ab 2013 mehr Geld für den laufenden Diskobetrieb zahlen.

Das wäre etwa das Vier- bis Fünffache dessen, was im Moment gezahlt werden muss – in Einzelfällen sollen es sogar 1.000 Prozent und mehr sein. Hintergrund ist, dass die Gebühren dann nicht mehr alleine nach Quadratmetern bemessen werden, sondern auch der Eintrittspreis und die Zahl der Öffnungstage eine Rolle spielen. Wer Eintritt verlangt und mehr als einmal die Woche offen hat, hat also verloren?

Die Bundesvereinigung der Musikveranstalter hat jüngst ein Rechenbeispiel veröffentlicht: Bei durchschnittlich zehn Veranstaltungen pro Monat in einer mittelgroßen Discothek mit zwei Dancefloors würden bei einem Eintrittsgeld von acht Euro die Gema-Gebühren von 21.553 Euro auf 147.916 Euro im Jahr ansteigen – ein Kostenanstieg von fast 700 Prozent.

Kosten-Explosion um 700 Prozent

Bundesweit fangen die Clubbesitzer nun an, sich zu wehren, eine Onlinepetition hat inzwischen schon über 100.000 Unterstützer gefunden – auch aus Stuttgart. Aber viele Clubbetreiber wollen sich öffentlich nicht äußern, aus Angst, von der Gema doppelt und dreifach unter die Lupe genommen zu werden.

Einer, der sich traut, ist Michael Rieger, Betreiber von Speakeasy und Wurst & Fleisch. Er findet harte Worte für die Gema: „Mir stellt sich die Frage, wie viel der Einnahmen für die Verwaltung verschleudert werden und wie viel wirklich bei den Künstlern ankommt. Radikalen Forderungen kann man nur radikal entgegentreten! Lasst uns gemeinsam für unser Recht auf Party kämpfen!“ 

Betroffen sind aber nicht nur die Club-Besitzer, sondern auch die Party-Veranstalter, zum Beispiel Thomas Geyer von der Kaputtraven- und Kaputtdubben-Reihe: „Sollten die Clubs die gestiegenen Kosten an die Veranstalter weiterreichen, müssen auch wir dicht machen.“

Das Thema könnte also schnell allen den Partyspaß verderben, denn bald könnte sich die Gebührenexplosion auch bei den Diskogängern bemerkbar machen. Konsequenterweise müsste ein Club seinen Eintritt von acht oder zehn Euro auf 50 Euro oder mehr erhöhen – spanische Verhältnisse also. „Die Clubs werden die Kosten über die Eintritts- und Getränkepreise an ihre Gäste weitergeben müssen. Da sich das Preisniveau in Stuttgart aber schon am Limit befindet, werden sicher einige Clubs und auch Veranstalter auf der Strecke bleiben“, befürchtet Geyer. Und damit auch eine ganze Nachtleben-Ära?

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